Digitales Erbe verwalten: Passwörter und soziale Netzwerke des Verstorbenen

BlogPraktische Tipps13. Januar 2026
Digitales Erbe verwalten: Passwörter und soziale Netzwerke des Verstorbenen

Einleitung

Wenn eine Person verstirbt, hinterlässt sie weit mehr als nur ein physisches Vermögen. Ihre Facebook-Konten, ihre Fotos auf iCloud, ihre Gmail-E-Mails, ihre Netflix-Abonnements und manchmal sogar Kryptowährungs-Wallets bilden ein digitales Erbe, das eine sorgfältige Verwaltung erfordert.

Dennoch bleibt die Schweizer Gesetzgebung zu diesem Thema unklar. Wer hat das Recht, auf die Konten einer verstorbenen Person zuzugreifen? Wie erhält man die Passwörter? Was tun mit einem Facebook-Konto einer verstorbenen Person? Diese praktischen Fragen stossen oft auf eine rechtliche Grauzone und auf komplexe Verfahren, die für jede Plattform spezifisch sind.

Dieser Leitfaden begleitet Sie Schritt für Schritt bei der Verwaltung der digitalen Nachfolge einer nahestehenden Person. Sie erfahren, wie Sie eine Bestandsaufnahme ihrer Online-Präsenz erstellen, welche spezifischen Schritte für die wichtigsten Plattformen (Meta, Google, Apple) erforderlich sind, die besondere Problematik der Kryptowährungen und vor allem, wie Sie diese Schwierigkeiten durch die Organisation Ihres eigenen digitalen Testaments vermeiden können.

Denn über die technischen Aspekte hinaus geht es darum, das Andenken und die Privatsphäre des Verstorbenen zu respektieren und gleichzeitig den Angehörigen den Zugang zu den notwendigen Informationen zu ermöglichen. Ein Vorgehen, das sich natürlich in die umfassende Verwaltung der digitalen Konten und Abonnements nach einem Todesfall einfügt.

📌 Zusammenfassung (TL;DR)

Die Verwaltung des digitalen Erbes eines Verstorbenen erfordert eine methodische Bestandsaufnahme seiner Online-Konten. Jede Plattform (Facebook, Google, Apple) hat ihre eigenen Verfahren zur Gedenkstättenverwaltung oder Löschung, die oft komplex sind. Kryptowährungen stellen ohne Zugang zu den privaten Schlüsseln eine besondere Herausforderung dar. Die beste Lösung bleibt die Vorbeugung: ein digitales Testament erstellen, einen Passwort-Manager mit Notfallfunktion verwenden und Nachlasskontakte auf den wichtigsten Plattformen konfigurieren.

Die rechtliche Grauzone des digitalen Erbes in der Schweiz

Die Schweiz verfügt noch nicht über einen spezifischen rechtlichen Rahmen zur Regelung der digitalen Nachfolge. Das klassische Erbrecht gilt theoretisch für digitale Vermögenswerte, aber die Online-Plattformen setzen ihre eigenen Regeln über ihre Nutzungsbedingungen durch.

Diese Situation schafft eine Spannung zwischen zwei Prinzipien: Einerseits haben die Erben rechtlich Anspruch auf die Güter des Verstorbenen, einschliesslich digitaler Güter. Andererseits schützt der Datenschutz (Schweizer DSG und europäische DSGVO) die Vertraulichkeit, auch nach dem Tod.

Ergebnis: Die Erben besitzen theoretisch das Recht, auf die Konten, E-Mails und Daten des Verstorbenen zuzugreifen, aber der praktische Zugang bleibt komplex und hängt vom Wohlwollen jeder Plattform ab. Diese rechtliche Grauzone erschwert die Verwaltung des digitalen Erbes erheblich.

Um die ethischen Herausforderungen dieser posthumen Online-Präsenz zu verstehen, lesen Sie unseren Artikel über die Digitalisierung der Erinnerung.

Bestandsaufnahme der digitalen Präsenz des Verstorbenen erstellen

Vor allen Schritten erstellen Sie eine vollständige Bestandsaufnahme der Online-Konten des Verstorbenen. Dieser Schritt ist unerlässlich, um nichts zu vergessen.

Wo suchen:

  • E-Mail-Postfächer (oft der Schlüssel zur Identifizierung anderer Konten)
  • Bank- und Kreditkartenabrechnungen (wiederkehrende Abonnements)
  • Passwort-Manager, falls einer verwendet wurde
  • Browser-Verlauf
  • Apps auf Smartphone und Tablet

Zu identifizierende Kontotypen:

  • Soziale Netzwerke (Facebook, Instagram, LinkedIn, X/Twitter)
  • E-Mail-Dienste (Gmail, Outlook, Yahoo)
  • Cloud-Speicher (Google Drive, iCloud, Dropbox)
  • Online-Bank- und Finanzkonten
  • E-Commerce-Shops (Amazon, eBay)
  • Abonnements (Streaming, Presse, Software)
  • Kryptowährungen und digitale Wallets

Unterscheiden Sie Konten mit Vermögenswert (Krypto, kostenpflichtige Konten) von Gedenkkonten (soziale Netzwerke). Für die konkrete Verwaltung dieser Konten begleitet Sie unser Leitfaden zur Verwaltung digitaler Konten und Abonnements Schritt für Schritt.

Konten der wichtigsten Plattformen verwalten

Jede Plattform hat ihre eigenen Verfahren zur Verwaltung von Konten verstorbener Personen entwickelt. Die Vorgehensweisen variieren je nach Dienst erheblich.

Die digitalen Giganten haben nach und nach spezifische Formulare und Gedenkoptionen eingerichtet. Einige ermöglichen die vorzeitige Benennung einer Vertrauensperson, andere verlangen offizielle Dokumente und erhebliche Wartezeiten.

So gehen Sie für die wichtigsten in der Schweiz genutzten Plattformen vor.

Facebook und Instagram (Meta)

Meta bietet zwei Optionen zur Verwaltung eines Facebook-Kontos einer verstorbenen Person: Gedenkstätte oder endgültige Löschung.

Gedenkzustand: Das Profil bleibt mit dem Hinweis "Zur Erinnerung an" sichtbar. Die Beiträge und Fotos bleiben gemäss den ursprünglichen Datenschutzeinstellungen zugänglich. Niemand kann sich beim Konto anmelden, aber Freunde können Erinnerungen auf der Chronik teilen.

Wenn der Verstorbene zu Lebzeiten einen Nachlasskontakt benannt hatte, kann diese Person bestimmte Aspekte des Gedenkkontos verwalten: Profilbild ändern, auf Freundschaftsanfragen antworten, eine Gedenknachricht anheften.

Verfahren: Füllen Sie das Meta-Formular für Konten verstorbener Personen aus. Erforderliche Dokumente: Sterbeurkunde, Nachweis Ihrer Beziehung zum Verstorbenen. Die Bearbeitung dauert in der Regel einige Tage bis einige Wochen.

Das gleiche Verfahren gilt für Instagram, das ebenfalls von Meta verwaltet wird.

Google (Gmail, YouTube, Photos, Drive)

Google hat den Kontoinaktivitäts-Manager entwickelt, ein Tool, mit dem man zu Lebzeiten bis zu 10 Vertrauenspersonen benennen kann. Nach einer festgelegten Inaktivitätsperiode (3 bis 18 Monate) erhalten diese Kontakte Zugriff auf die Daten oder eine Benachrichtigung.

Wenn diese Option nicht konfiguriert wurde, müssen die Erben ein aufwändigeres Verfahren über das Formular für Zugriffsanfragen auf Konten verstorbener Personen durchlaufen.

Erforderliche Dokumente:

  • Offizielle Sterbeurkunde
  • Nachweis Ihrer Eigenschaft als Erbe (Erbschein)
  • Kopie Ihres Ausweises
  • E-Mail-Adresse des Verstorbenen

Google prüft jede Anfrage individuell. Die Wartezeiten sind lang: Rechnen Sie mit mehreren Wochen, sogar mehreren Monaten. Der gewährte Zugriff ist begrenzt: Sie können die Daten herunterladen (E-Mails, Fotos, Drive-Dokumente), sich aber nicht beim Konto anmelden.

Dieses Verfahren umfasst Gmail, YouTube, Google Photos, Google Drive und alle Google-Dienste.

Apple (iCloud, Apple ID)

Seit iOS 15.2 bietet Apple das Programm Digitaler Nachlasskontakt an. Sie können bis zu 5 Personen benennen, die nach Ihrem Tod auf Ihr iCloud-Konto zugreifen können.

Jeder Kontakt erhält einen eindeutigen Zugriffsschlüssel. Im Todesfall legt er diesen Schlüssel und die Sterbeurkunde bei Apple vor, um Zugriff auf Fotos, Nachrichten, Notizen, iCloud-Dateien und Backups zu erhalten. Der Zugriff wird schnell gewährt, innerhalb weniger Tage.

Ohne benannten Nachlasskontakt: Die Situation wird sehr kompliziert. Apple legt Wert auf Vertraulichkeit und verweigert in der Regel den Zugriff ohne vorherige Benennung. In den meisten Fällen müssen Sie eine gerichtliche Anordnung erwirken, ein langwieriger und kostspieliger Prozess.

Diese strikte Politik spiegelt Apples Engagement für den Schutz der Privatsphäre wider, kann aber den Zugang zu digitalen Erinnerungen (Fotos, Nachrichten) endgültig blockieren, wenn kein Nachlasskontakt konfiguriert wurde.

Andere Plattformen (LinkedIn, X/Twitter, TikTok)

LinkedIn: Bietet die Gedenkstätte oder Löschung des Profils an. Verwenden Sie das entsprechende Formular und geben Sie die URL des Profils, die Sterbeurkunde und Ihre Beziehung zum Verstorbenen an. Das Gedenkprofil bleibt sichtbar, kann aber nicht mehr geändert werden.

X (ehemals Twitter): Bietet nur die endgültige Löschung an, keine Gedenkstätte. Ein autorisierter Angehöriger oder der Testamentsvollstrecker muss einen Antrag mit offiziellen Dokumenten einreichen. Das Konto wird endgültig gelöscht, eine spätere Wiederherstellung ist unmöglich.

TikTok: Ermöglicht die Löschung über ein spezifisches Antragsformular. Erforderliche Dokumente: Sterbeurkunde und Nachweis Ihrer rechtlichen Befugnis.

Allgemeiner Rat: Suchen Sie für jede Plattform in den Hilfeseiten nach den Begriffen "verstorbenes Konto", "deceased user" oder "memorialization". Die meisten Dienste haben in den letzten Jahren spezifische Verfahren entwickelt.

Die spezifische Problematik der Kryptowährungen

Kryptowährungen stellen eine grosse Herausforderung bei der digitalen Nachfolge dar. Ohne die privaten Schlüssel (Private Keys) oder die Wiederherstellungsphrasen (Seed Phrases) sind die Guthaben endgültig und unwiderruflich verloren.

Im Gegensatz zu traditionellen Bankkonten kann keine zentrale Behörde einen Zugang zurücksetzen oder Guthaben wiederherstellen. Die dezentrale Natur der Kryptowährungen bedeutet, dass es keinen Kundendienst, kein Antragsformular und keine Rechtsmittel gibt.

Die Zahlen sind schwindelerregend: Studien schätzen, dass mehrere Milliarden Dollar in Bitcoin und anderen Kryptowährungen endgültig verloren sind, hauptsächlich durch fehlende Übertragung der Zugriffsschlüssel bei einem Todesfall.

Speicherlösungen: Hardware-Wallets (physische Wallets wie Ledger oder Trezor) sind sicher, müssen aber von den Erben auffindbar sein. Die Wiederherstellungsphrase mit 12 oder 24 Wörtern muss separat an einem sicheren Ort aufbewahrt werden.

Sichere Übertragung: Informieren Sie mindestens eine Vertrauensperson über die Existenz Ihrer Krypto-Vermögenswerte, deren Standort und die Zugriffsmethode. Ohne diese Übertragung wird Ihr digitales Vermögen mit Ihnen verschwinden.

Vorbeugen: sein digitales Erbe zu Lebzeiten organisieren

Die beste Strategie zur Erleichterung der Verwaltung Ihres digitalen Erbes? Es zu Lebzeiten vorausplanen. Ein paar heute investierte Stunden ersparen Ihren Angehörigen monatelange Komplikationen.

Drei ergänzende Ansätze ermöglichen es, Ihre posthume digitale Präsenz effektiv zu organisieren: das digitale Testament, Passwort-Manager mit Notfallfunktion und die Konfiguration von Nachlasskontakten auf den wichtigsten Plattformen.

Diese Tools existieren und sind einfach einzurichten. Man muss sich nur die Zeit nehmen, sie zu konfigurieren.

Ein digitales Testament erstellen

Ein digitales Testament ist ein Dokument, das alle Ihre Online-Konten mit genauen Anweisungen für jedes auflistet: aufbewahren, löschen, als Gedenkstätte einrichten, übertragen.

Dieses Dokument kann in Ihr klassisches Testament integriert werden oder ein separates Dokument sein, das Ihrem Testamentsvollstrecker oder einer Vertrauensperson anvertraut wird.

Was erwähnen:

  • Liste aller Konten (soziale Netzwerke, E-Mails, Cloud, Finanzen)
  • Spezifische Anweisungen für jedes Konto
  • Standort der Geräte und Speichermedien
  • Informationen über Kryptowährungen (ohne die privaten Schlüssel direkt)

Wichtig: Schreiben Sie NIEMALS Ihre Passwörter direkt in dieses Dokument. Wenn das Testament öffentlich wird oder mehreren Personen zugänglich ist, gefährden Sie Ihre Sicherheit zu Lebzeiten. Verwenden Sie stattdessen einen Passwort-Manager mit Notfallfunktion.

Einen Passwort-Manager mit Notfallfunktion verwenden

Moderne Passwort-Manager wie 1Password, Bitwarden oder Dashlane bieten Notfallkontakt- oder Notfallzugriffsfunktionen.

Prinzip: Sie benennen eine oder mehrere Vertrauenspersonen. Im Bedarfsfall können diese den Zugriff auf Ihren Passwort-Tresor anfordern. Nach einer von Ihnen festgelegten Frist (24 Stunden bis 30 Tage) wird der Zugriff automatisch gewährt, es sei denn, Sie widersprechen.

Diese Lösung ist ideal: zu Lebzeiten sicher (Sie behalten die volle Kontrolle), aber für Ihre Angehörigen im Todes- oder Unfähigkeitsfall zugänglich. Sie müssen Ihre Passwörter nicht auf Papier notieren oder im Voraus mitteilen.

Starke Empfehlung: Wenn Sie bereits einen Passwort-Manager verwenden, konfigurieren Sie diese Funktion noch heute. Wenn Sie noch keinen verwenden, ist jetzt der richtige Zeitpunkt anzufangen. Dies ist die effektivste Lösung für die sichere Übertragung Ihrer digitalen Zugänge.

Nachlasskontakte auf den Plattformen konfigurieren

Die wichtigsten Plattformen bieten mittlerweile native Optionen zur Benennung einer Vertrauensperson:

  • Facebook: Nachlasskontakt in den Gedenkeinstellungen
  • Google: Kontoinaktivitäts-Manager (bis zu 10 Kontakte)
  • Apple: Digitaler Nachlasskontakt (bis zu 5 Kontakte)

Die Konfiguration dieser Optionen dauert insgesamt 30 Minuten und vereinfacht die Schritte für Ihre Angehörigen enorm. Ohne diese vorherige Konfiguration müssen sie offizielle Dokumente vorlegen, Wochen oder Monate warten und erhalten manchmal nie Zugriff (insbesondere bei Apple).

Konkrete Massnahme: Blockieren Sie diese Woche eine halbe Stunde in Ihrem Kalender, um diese drei wesentlichen Optionen zu konfigurieren. Ihre Angehörigen werden Ihnen dafür dankbar sein, wenn es soweit ist.

Das digitale Erbe stellt in unserer vernetzten Gesellschaft eine grosse Herausforderung dar. Zwischen Online-Bankkonten, sozialen Netzwerken, Cloud-Diensten und Kryptowährungen erfordert die digitale Präsenz eines Verstorbenen eine methodische und respektvolle Verwaltung. Die aktuelle rechtliche Grauzone in der Schweiz macht diese Aufgabe für trauernde Familien komplex.

Die beste Lösung bleibt die Vorbeugung: ein digitales Testament erstellen, einen Passwort-Manager mit Notfallfunktion verwenden und Nachlasskontakte auf den wichtigsten Plattformen konfigurieren. Diese einfachen Schritte ersparen den Angehörigen administrative Komplikationen in der Trauerzeit.

Um diesen digitalen Übergang zu begleiten, bietet Wolky einen Raum, der dem Andenken Ihrer Angehörigen gewidmet ist. Sie können eine Todesanzeige online veröffentlichen für 180 CHF, eine Gedenkseite erstellen und Fotos und Erinnerungen mit Ihren Angehörigen teilen. Ein zugänglicher und würdiger Weg, das Andenken zu ehren und gleichzeitig die Verwaltung des digitalen Erbes zu erleichtern.

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