Schenkung zu Lebzeiten oder Testament: Was ist die bessere Option?

Einleitung
Die Übertragung des eigenen Vermögens an nahestehende Personen ist eine wichtige Entscheidung, die viele Fragen aufwirft. Ihnen stehen zwei Hauptoptionen zur Verfügung: die Schenkung zu Lebzeiten oder das Testament. Jede entspricht unterschiedlichen Bedürfnissen und unterliegt eigenen Regeln.
Die Schenkung ermöglicht es, einen Teil Ihres Vermögens zu Lebzeiten unmittelbar zu übertragen. Sie sehen, wie Ihre Angehörigen davon profitieren, und können diese Übertragung begleiten. Das Testament hingegen regelt die Aufteilung Ihres Vermögens nach Ihrem Tod und lässt Sie frei darüber verfügen bis zuletzt.
Aber wie wählt man zwischen diesen beiden Ansätzen? Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab: Ihrer familiären Situation, Ihren Vermögenszielen, den steuerlichen Auswirkungen und dem Mass an Kontrolle, das Sie behalten möchten. Eine Schenkung verpflichtet unmittelbar und unwiderruflich, während ein Testament jederzeit geändert werden kann.
Dieser Artikel vergleicht detailliert die Vor- und Nachteile jeder Option. Sie erfahren mehr über die rechtlichen, steuerlichen und praktischen Aspekte sowie konkrete Situationen, die Ihnen helfen, die richtige Wahl entsprechend Ihrem Profil zu treffen. Das Ziel: Ihnen zu ermöglichen, die Übertragung Ihres Vermögens in Ruhe zu planen.
📌 Zusammenfassung (TL;DR)
Die Schenkung zu Lebzeiten und das Testament entsprechen unterschiedlichen Bedürfnissen in der Nachlassplanung. Die Schenkung bietet eine unmittelbare Übertragung mit potenziellen steuerlichen Vorteilen, ist aber unwiderruflich und entzieht Ihnen die geschenkten Vermögenswerte endgültig. Das Testament bewahrt Ihre Freiheit und Ihr Vermögen bis zum Tod, bietet aber nicht die gleichen steuerlichen Optimierungen.
Die Wahl hängt von Ihrer Situation ab: bevorzugen Sie die Schenkung, um Ihre Angehörigen konkret zu unterstützen oder die Besteuerung vorwegzunehmen, und das Testament, um Flexibilität und Sicherheit zu bewahren. Beide Optionen können auch intelligent kombiniert werden.
📚 Inhaltsverzeichnis
Schenkung zu Lebzeiten: Grundsätze und Funktionsweise
Die Schenkung zu Lebzeiten ist ein Rechtsakt, durch den eine Person unentgeltlich und unwiderruflich das Eigentum an einem Vermögenswert auf eine andere Person überträgt. In der Schweiz gibt es drei Hauptformen:
Handschenkung: direkte Übergabe beweglicher Sachen (Schmuck, Bargeld)
Schenkung beweglicher Vermögenswerte: Übertragung von Wertpapieren, Bankkonten
Immobilienschenkung: Übertragung von Immobilien, zwingend notariell zu beurkunden
Damit die Schenkung gültig ist, muss sie die Pflichtteile der Nachkommen und des Ehegatten respektieren. Einmal vollzogen, ist sie grundsätzlich endgültig: Der Schenker kann den übertragenen Vermögenswert nicht mehr zurücknehmen, ausser es wurde eine besondere Klausel in der Urkunde vorgesehen.
Testament: Erinnerung an die wesentlichen Regeln
Das Testament ist ein Dokument, das Ihren letzten Willen bezüglich der Aufteilung Ihres Vermögens nach Ihrem Tod zum Ausdruck bringt. In der Schweiz werden zwei Hauptformen anerkannt: das eigenhändige Testament (handschriftlich) und das öffentliche Testament (notariell).
Im Gegensatz zur Schenkung bleibt das Testament jederzeit widerrufbar bis zum Tod. Sie behalten das volle Eigentum und die Nutzung Ihrer Vermögenswerte während Ihres gesamten Lebens.
Die Testierfreiheit ist jedoch durch die Pflichtteile begrenzt, die Nachkommen, Ehegatte und in bestimmten Fällen die Eltern schützen. Nur die verfügbare Quote kann frei zugewiesen werden.
Für weitere Informationen zur Abfassung und den geltenden Regeln konsultieren Sie unseren Leitfaden Testament in der Schweiz: Regeln, Inhalt und Tipps für die richtige Abfassung.
Vergleich: Vor- und Nachteile jeder Option
Die Wahl zwischen Schenkung oder Testament hängt von Ihrer persönlichen Situation, Ihren Vermögenszielen und Ihrem Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit ab. Beide Instrumente weisen unterschiedliche Merkmale auf, die direkt Ihre Kontrollfähigkeit, die anwendbare Besteuerung und den rechtlichen Schutz beeinflussen.
Analysieren wir die wichtigsten Unterschiede, um Ihnen zu helfen, eine fundierte Entscheidung entsprechend Ihrem familiären und finanziellen Kontext zu treffen.
Flexibilität und Kontrolle
Die Schenkung bedeutet eine unmittelbare und endgültige Übertragung des Vermögenswerts. Sobald die Urkunde unterzeichnet ist, verlieren Sie das Eigentum und können nicht mehr frei über den geschenkten Vermögenswert verfügen. Diese Unwiderruflichkeit kann problematisch werden, wenn sich Ihre finanzielle Situation verändert.
Das Testament hingegen bietet maximale Flexibilität. Sie bleiben Eigentümer Ihrer Vermögenswerte bis zu Ihrem Tod und können Ihre testamentarischen Verfügungen jederzeit ändern oder widerrufen. Diese Widerrufbarkeit ermöglicht es, Ihre Nachlassplanung an Lebensveränderungen anzupassen: Geburt, Scheidung, Vermögensentwicklung.
Für Personen, die die Kontrolle über ihr Vermögen behalten möchten, stellt das Testament eine sicherere Lösung dar.
Besteuerung und Kosten
In der Schweiz variiert die Besteuerung von Schenkungen und Erbschaften erheblich je nach Kanton. Die meisten Kantone befreien direkte Nachkommen (Kinder, Enkelkinder) und den Ehegatten, sei es bei einer Schenkung oder einer Erbschaft.
Einige Kantone wenden jedoch unterschiedliche Schenkungssteuern im Vergleich zu Erbschaftssteuern an. In einigen Fällen kann eine Schenkung zu Lebzeiten eine steuerliche Optimierung ermöglichen, insbesondere wenn der Kanton alle 10 Jahre erneuerbare Freibeträge vorsieht.
Die Notarkosten sind in der Regel bei einer Immobilienschenkung höher als bei einem Testament. Zu diesen Kosten kommen bei einer Immobilienschenkung die Gebühren für die Eintragung ins Grundbuch hinzu.
Für eine detaillierte Analyse der Erbschaftsbesteuerung konsultieren Sie unseren Artikel Erbschaftskosten in der Schweiz.
Schutz des Schenkers
Eine Schenkung kann den Schenker in eine finanzielle Notlage bringen, wenn sich seine Bedürfnisse ändern. Um dieses Risiko zu begrenzen, gibt es mehrere Schutzmechanismen:
Niesbrauchsvorbehalt: Sie übertragen das Eigentum, behalten aber das Nutzungsrecht und die Erträge des Vermögenswerts
Rückfallklausel: der Vermögenswert fällt an den Schenker zurück, wenn der Begünstigte vor ihm verstirbt
Unterhaltsklausel: der Begünstigte verpflichtet sich, für die Bedürfnisse des Schenkers zu sorgen
Das Testament bietet einen natürlichen Schutz: Sie behalten Ihr gesamtes Vermögen und können es nach Ihren Bedürfnissen bis zu Ihrem Tod nutzen. Kein Risiko, mittellos dazustehen.
Rechtssicherheit und Familienkonflikte
Eine Schenkung kann bei der Erbschaft angefochten werden, wenn sie die Pflichtteile der anderen Erben verletzt. Sie wird dann Gegenstand einer Ausgleichung sein: ihr Wert wird fiktiv in die Erbmasse einbezogen, um die Einhaltung der Pflichtteile zu überprüfen. Bei Überschreitung kann eine Herabsetzung verlangt werden.
Das Testament kann ebenfalls angefochten werden, bietet aber den Vorteil, eine Gesamtübersicht über Ihren Willen zum Zeitpunkt des Todes zu geben. Die Erben haben einen Gesamtüberblick über die gewünschte Aufteilung.
In beiden Fällen reduziert eine kohärente und dokumentierte Nachlassplanung die Konfliktrisiken erheblich. Um die Erbschaftsmechanismen besser zu verstehen, konsultieren Sie unseren Leitfaden Alles über die Erbschaft in der Schweiz verstehen.
Konkrete Situationen: welche Option bevorzugen?
Die Wahl zwischen Schenkung und Testament erfolgt nicht abstrakt. Sie hängt von Ihrem Alter, Ihrer Vermögenssituation, Ihren familiären Beziehungen und Ihren Zielen der Vermögensübertragung ab.
Hier sind Empfehlungen entsprechend den häufigsten Profilen und Kontexten.
Wann die Schenkung bevorzugen
Die Schenkung zu Lebzeiten ist besonders geeignet in folgenden Situationen:
Einem Kind beim Erwerb einer Wohnung helfen: die unmittelbare Schenkung ermöglicht es, ein konkretes Projekt zu unterstützen, wenn der Bedarf real ist
Ein Familienunternehmen übertragen: die Übertragung vorwegnehmen ermöglicht es, die Übernahme zu begleiten und die Kontinuität zu sichern
Steuerlich optimieren: in bestimmten Kantonen begünstigen erneuerbare Freibeträge gestaffelte Schenkungen
Stabile familiäre Beziehungen: wenn Vertrauen herrscht und das Konfliktrisiko gering ist
In allen Fällen ist die Begleitung durch einen Notar unerlässlich, um die Urkunde abzusichern, Schutzklauseln vorzusehen und die Einhaltung der Pflichtteile zu überprüfen.
Wann das Testament bevorzugen
Das Testament wird empfohlen, wenn:
Sie Ihr Vermögen zum Leben benötigen: Mieteinnahmen, für die Rente notwendiges Kapital
Ihre familiäre Situation komplex ist: Patchworkfamilie, angespannte Beziehungen, mehrere Erben
Sie die Kontrolle behalten möchten: Möglichkeit, Ihre Verfügungen entsprechend der Entwicklung der Umstände zu ändern
Sie eine Gesamtübersicht wünschen: kohärente Aufteilung all Ihrer Vermögenswerte
Das Testament schliesst die Schenkung nicht aus. Sie können beide Ansätze kombinieren: bestimmte Vermögenswerte zu Lebzeiten schenken und gleichzeitig durch Testament die Übertragung des Rests Ihres Vermögens regeln. Diese gemischte Strategie bietet Flexibilität und Vorausplanung.
Kann man Schenkung und Testament kombinieren?
Ja, es ist durchaus möglich, auf eine gemischte Strategie zurückzugreifen: teilweise Schenkung zu Lebzeiten ergänzt durch ein Testament für den Rest des Vermögens.
Dieser Ansatz ermöglicht es, die Vorteile beider Instrumente zu nutzen: Ihre Angehörigen unmittelbar mit einer gezielten Schenkung unterstützen und gleichzeitig die Kontrolle über den Rest Ihrer Vermögenswerte behalten.
Achten Sie jedoch auf die Kohärenz: Ihre vergangenen Schenkungen werden bei der Regelung der Erbschaft berücksichtigt. Stellen Sie sicher, dass das Ganze die Pflichtteile respektiert und kein Ungleichgewicht schafft, das Konflikte verursachen könnte. Eine rechtliche Beratung wird dringend empfohlen, um diese Planung zu orchestrieren.
Wichtige Punkte und zu vermeidende Fehler
Ob Sie sich für eine Schenkung, ein Testament oder eine Kombination aus beidem entscheiden, bestimmte Fehler können Ihre Nachlassplanung gefährden:
Verdeckte Schenkung: Verkauf zu einem symbolischen Preis oder Darlehen ohne Rückzahlung können als Schenkung umqualifiziert werden mit steuerlichen Konsequenzen
Nichteinhaltung der Pflichtteile: übermässige Schenkungen setzen Sie einer Anfechtung und Herabsetzung bei der Erbschaft aus
Fehlende rechtliche Beratung: die Regeln variieren je nach Kanton und Situation, eine professionelle Begleitung vermeidet Fallstricke
Schenkung ohne Schutz: keinen Niesbrauch oder Rückfallklausel vorzusehen kann Sie in finanzielle Schwierigkeiten bringen
Die vorausschauende Planung mit einem Notar oder Rechtsberater ermöglicht es, Ihre Entscheidungen abzusichern, die Besteuerung zu optimieren und Familienkonflikte zu vermeiden.
Die Wahl zwischen Schenkung zu Lebzeiten und Testament ist keine binäre Entscheidung. Jede Option entspricht unterschiedlichen Bedürfnissen: die Schenkung ermöglicht eine unmittelbare Übertragung mit Begleitung des Begünstigten, während das Testament Flexibilität und Kontrolle bis zum letzten Moment bietet. Die steuerlichen Aspekte, die familiären Beziehungen und Ihre Vermögenssituation lenken diese Wahl natürlich.
In vielen Fällen erweist sich die Kombination beider Instrumente als die effektivste Lösung. Sie können bestimmte Vermögenswerte zu Lebzeiten übertragen und gleichzeitig die Kontrolle über den Rest per Testament behalten. Das Wesentliche ist, vorausschauend zu planen, Ihren Willen zu dokumentieren und einen Notar zu konsultieren, um Ihre Entscheidungen rechtlich abzusichern.
Die Nachlassplanung schützt Ihre Angehörigen vor Konflikten und Unsicherheiten. Um bei der Organisation Ihrer Erbschaft weiterzugehen, konsultieren Sie unseren vollständigen Leitfaden zum Testament in der Schweiz und erfahren Sie, wie Sie ein Dokument entsprechend Ihrem Willen verfassen.


