Patientenverfügung und Vorsorgeauftrag: Was Sie wissen müssen

BlogKultur und Aktuelles22. Dezember 2025
Patientenverfügung und Vorsorgeauftrag: Was Sie wissen müssen

Einleitung

Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihre medizinischen Wünsche nicht mehr mitteilen. Wer würde für Sie entscheiden? Welche Behandlungen würden Sie akzeptieren oder ablehnen? Diese unangenehmen Fragen verdienen es, vorausschauend geklärt zu werden.

Die Patientenverfügung, auch Patiententestament genannt, ermöglicht es Ihnen, Ihren Willen bezüglich medizinischer Behandlungen am Lebensende zu äussern. Dieses Dokument garantiert, dass Ihre medizinischen Entscheidungen respektiert werden, wenn Sie diese nicht mehr selbst formulieren können.

In der Schweiz kann jede urteilsfähige Person ihre Patientenverfügung verfassen. Im Gegensatz zur Bestattungsverfügung, die die Organisation der Bestattung betrifft, bezieht sich die Patientenverfügung ausschliesslich auf medizinische Entscheidungen: Wiederbelebung, Palliativpflege, Organspende.

Dieser Leitfaden erklärt Ihnen konkret, was eine Patientenverfügung ist, warum Sie eine verfassen sollten, wie Sie diese nach Schweizer Recht formalisieren und wo Sie sie aufbewahren. Sie erfahren ausserdem, welche häufigen Fehler Sie vermeiden sollten und welche Ressourcen Ihnen bei diesem wichtigen Schritt zur Verfügung stehen.

📌 Zusammenfassung (TL;DR)

Die Patientenverfügung ermöglicht es, Ihren medizinischen Willen für Situationen zu äussern, in denen Sie nicht mehr selbst entscheiden können: Wiederbelebung, übermässige Therapie, Palliativpflege, Organspende. In der Schweiz muss dieses schriftliche und datierte Dokument von einer urteilsfähigen Person verfasst werden. Es kann bei Ihnen zu Hause aufbewahrt, Ihrem Arzt anvertraut oder in einer nationalen Datenbank registriert werden. Denken Sie daran, einen Vertretungsberechtigten zu ernennen und Ihre Patientenverfügung regelmässig zu überprüfen, damit sie stets Ihre Wünsche widerspiegelt.

Patientenverfügung und Patiententestament: Definitionen und Unterschiede

Die Patientenverfügung ist ein Oberbegriff, der alle Dokumente umfasst, in denen Sie Ihren Willen für Ihre zukünftige medizinische Betreuung äussern. Das Patiententestament ist Teil davon: Es betrifft spezifisch Ihre Entscheidungen am Lebensende und die Behandlungen, die Sie akzeptieren oder ablehnen.

In der Schweiz sind diese Dokumente seit 2013 gesetzlich anerkannt. Sie ermöglichen es, Ihre Wünsche zu äussern, wenn Sie dies nicht mehr selbst tun können. Achtung: Nicht zu verwechseln mit dem Erbschaftstestament, das die Übertragung Ihres Vermögens nach dem Tod regelt.

Die Patientenverfügung kann auch die Ernennung eines Vertretungsberechtigten und Ihre Präferenzen zur Organspende beinhalten.

Warum eine Patientenverfügung verfassen?

Das Verfassen einer Patientenverfügung ermöglicht es Ihnen, die Kontrolle über Ihre medizinischen Entscheidungen zu behalten, auch im Fall der Urteilsunfähigkeit. Sie entscheiden heute über die Behandlungen, die Sie morgen wünschen oder ablehnen.

Dieser Schritt entlastet Ihre Angehörigen von einer immensen Last. Im Notfall müssen sie nicht Ihren Willen erraten oder an Ihrer Stelle herzzerreissende Entscheidungen treffen. Auch die medizinischen Teams verfügen über einen klaren Rahmen, um Sie im Einklang mit Ihren Werten zu behandeln.

Vorausschauend zu planen schützt Ihre Würde und die Ihrer Angehörigen. Es ist ein Akt der Fürsorge, der sich in eine umfassendere vorausschauende Planung einfügt.

Was kann in einem Patiententestament festgelegt werden?

Das Patiententestament ermöglicht es Ihnen, Ihre Präferenzen zu einem breiten Spektrum medizinischer Entscheidungen zu äussern. Sie können die Grenzen der Eingriffe definieren, die Sie akzeptieren, und jene, die Sie ablehnen.

Ihre Entscheidungen können lebenserhaltende Behandlungen, Komfortpflege, den Ort, an dem Sie betreut werden möchten, und sogar Ihre Position zur Organspende betreffen.

Wichtig ist, so präzise wie möglich zu sein und gleichzeitig realistisch zu bleiben: Sie können nicht alle Situationen vorhersehen, aber Sie können klare Leitprinzipien festlegen.

Die medizinischen Behandlungen

Sie können sich zu verschiedenen Arten medizinischer Eingriffe äussern:

  • Kardiopulmonale Wiederbelebung bei Herzstillstand

  • Künstliche Beatmung (maschinell unterstützte Atmung)

  • Künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr (über Sonde oder Infusion)

  • Dialyse bei Nierenversagen

  • Bluttransfusionen

  • Antibiotika zur Behandlung von Infektionen

Sie können diese Eingriffe je nach Umständen akzeptieren oder ablehnen: zum Beispiel Wiederbelebung nach einem Unfall akzeptieren, sie aber in der Endphase einer unheilbaren Krankheit ablehnen.

Die Palliativpflege und der Komfort

Sie können die Palliativpflege und den Komfort gegenüber einer übermässigen Therapie bevorzugen. Dies umfasst die optimale Schmerzbehandlung, auch wenn die Behandlungen Ihre Wachsamkeit verringern können.

Sie haben auch das Recht, Ihre Präferenzen zum Ort des Lebensendes zu äussern: Zuhause, Spital, Pflegeheim oder Palliativstation.

Die Ablehnung übermässiger Therapie ist ein in der Schweiz anerkanntes Recht. Ihre Patientenverfügung ermöglicht es den Ärzten, diesen Willen ohne Zweideutigkeit zu respektieren.

Die Organ- und Körperspende

Ihre Patientenverfügung kann Ihre Position zur Organspende nach Ihrem Tod beinhalten. Sie können zustimmen, ablehnen oder präzisieren, welche Organe Sie spenden möchten.

Sie können auch Ihren Willen bezüglich der Spende Ihres Körpers an die Wissenschaft für Forschung oder medizinische Lehre äussern.

Diese Entscheidungen sind persönlich und müssen klar formuliert werden, um jegliche Verwirrung zum Zeitpunkt des Todes zu vermeiden.

Wie verfasst man seine Patientenverfügung in der Schweiz

Das Verfassen Ihrer Patientenverfügung erfordert keine komplexen Schritte. Der Prozess ist für alle zugänglich, aber einige Regeln müssen beachtet werden, um die Gültigkeit des Dokuments zu gewährleisten.

Sie können eine offizielle Vorlage verwenden oder Ihren Willen frei formulieren. Wesentlich ist, klar und präzise zu sein und Ihr Dokument zu datieren.

Drei Elemente sind entscheidend: die gesetzlichen Gültigkeitsbedingungen einhalten, Ihren medizinischen Willen klar äussern und eine Vertrauensperson ernennen, die mit den Ärzten kommunizieren kann.

Die Gültigkeitsbedingungen

Um in der Schweiz gültig zu sein, muss Ihre Patientenverfügung einige einfache Bedingungen erfüllen:

  • Volljährig sein (18 Jahre vollendet)

  • Zum Zeitpunkt der Abfassung urteilsfähig sein

  • Das Dokument handschriftlich oder maschinenschriftlich verfassen

  • Das Dokument persönlich datieren und unterschreiben

Weder Zeugen noch ein Gang zum Notar sind obligatorisch. Die Validierung Ihrer Patientenverfügung durch einen Arzt oder die Unterzeichnung in Anwesenheit eines Zeugen stärkt jedoch deren Glaubwürdigkeit.

Eine Vorlage verwenden oder frei verfassen

Mehrere Schweizer Organisationen bieten Vorlagen für Patientenverfügungen an: die FMH (Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte), Caritas, Pro Senectute oder das Schweizerische Rote Kreuz. Diese Formulare erleichtern die Abfassung, indem sie Sie Schritt für Schritt anleiten.

Sie können Ihren Willen auch frei formulieren, sofern Sie klar und präzise bleiben. Vermeiden Sie vage Formulierungen wie "ich möchte nicht leiden", ohne Ihre Grenzen zu präzisieren.

Die Konsultation Ihres Hausarztes wird dringend empfohlen: Er wird Ihnen helfen, die medizinischen Auswirkungen Ihrer Entscheidungen zu verstehen.

Einen Vertretungsberechtigten ernennen

Der Vertretungsberechtigte ist eine Vertrauensperson, die Sie ernennen, um Ihren Willen zu interpretieren und mit den Ärzten zu kommunizieren, wenn Sie dies nicht mehr selbst tun können.

Diese Person muss diese Rolle ausdrücklich akzeptieren und deren Verantwortung verstehen. Sie entscheidet nicht an Ihrer Stelle, sondern wacht über die Einhaltung Ihrer Patientenverfügung.

Wählen Sie jemanden aus Ihrem nahen Umfeld, der in der Lage ist, Ihre Interessen auch in schwierigen Situationen zu vertreten. Besprechen Sie offen mit dieser Person Ihre Wünsche.

Wo die Patientenverfügung aufbewahren und registrieren

Ihre Patientenverfügung hat nur dann einen Wert, wenn sie im Bedarfsfall zugänglich ist. Bewahren Sie das Original an einem sicheren und leicht zugänglichen Ort auf.

Übergeben Sie eine Kopie an Ihren Hausarzt, Ihren Vertretungsberechtigten und Ihre Angehörigen. Informieren Sie sie über die Existenz dieses Dokuments und seinen Aufbewahrungsort.

Einige Schweizer Kantone bieten Register an, in denen Sie Ihre Patientenverfügung registrieren können. Sie können auch eine Karte zur Patientenverfügung bei sich tragen, die angibt, wo Ihr vollständiges Dokument zu finden ist.

Im Notfall müssen die medizinischen Teams Ihren Willen schnell einsehen können.

Die Patientenverfügung überprüfen und aktualisieren

Ihre Patientenverfügung ist nicht in Stein gemeisselt. Ihre Überzeugungen und Ihre Situation können sich mit der Zeit ändern.

Lesen Sie Ihr Dokument regelmässig durch, idealerweise alle 2 bis 3 Jahre. Denken Sie auch daran, es nach einem wichtigen Ereignis zu überarbeiten: Diagnose einer schweren Krankheit, Tod eines Angehörigen, Wechsel des Vertretungsberechtigten.

Um Ihre Patientenverfügung zu ändern, verfassen Sie einfach ein neues datiertes und unterschriebenes Dokument, das das vorherige annulliert und ersetzt. Erwähnen Sie diesen Widerruf ausdrücklich.

Informieren Sie Ihre Angehörigen und Ihren Arzt über jede Aktualisierung und holen Sie die alten Versionen zurück, um Verwirrung zu vermeiden.

Patientenverfügung vs. Bestattungsverfügung: Was ist der Unterschied?

Die Patientenverfügung und die Bestattungsverfügung sind zwei unterschiedliche Dokumente, die sich ergänzen.

Die Patientenverfügung betrifft Ihre medizinischen Entscheidungen am Lebensende: die Behandlungen, die Sie akzeptieren oder ablehnen, während Sie noch am Leben sind, auch wenn Sie bewusstlos sind.

Die Bestattungsverfügung betrifft die Organisation Ihrer Bestattung nach Ihrem Tod: Erdbestattung oder Kremation, Zeremonie, Grabstätte.

Diese beiden Dokumente ermöglichen eine vollständige und kohärente Vorausplanung. Sie entlasten Ihre Angehörigen, indem sie ihnen ersparen, Ihre Wünsche in schwierigen Momenten erraten zu müssen.

Häufige Fehler, die es zu vermeiden gilt

Bestimmte Fehler können Ihre Patientenverfügung unwirksam machen oder zu Verwirrung führen:

  • Zu vage Patientenverfügungen verfassen: "Ich möchte nicht leiden" sagt nicht aus, welche Behandlungen Sie ablehnen

  • Nicht mit seinen Angehörigen darüber sprechen: Ihre Patientenverfügung könnte sie überraschen oder Konflikte auslösen

  • Vergessen, einen Vertretungsberechtigten zu ernennen: Niemand wird Ihren Willen interpretieren können

  • Das Dokument nie aktualisieren: Ihre Überzeugungen von vor 20 Jahren spiegeln möglicherweise nicht mehr Ihre aktuellen Wünsche wider

  • Das Dokument an einem unzugänglichen Ort aufbewahren: Bankschliessfach, Notar im Ausland

Nehmen Sie sich die Zeit, eine klare Patientenverfügung zu verfassen, offen darüber zu sprechen und sie leicht zugänglich zu machen.

Verfügbare Ressourcen und Vorlagen in der Schweiz

Mehrere Schweizer Organisationen bieten kostenlose Vorlagen für Patientenverfügungen an:

  • FMH (Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte): detaillierte medizinische Vorlage

  • Caritas: einfaches und zugängliches Formular

  • Pro Senectute: Begleitung für Seniorinnen und Senioren

  • Schweizerisches Rotes Kreuz: Vorlage mit Erklärungen

Die kantonalen Palliativpflegevereinigungen bieten ebenfalls persönliche Beratung an. Zögern Sie nicht, sich von einem Gesundheitsfachmann oder einem Sozialberater begleiten zu lassen.

Diese Ressourcen helfen Ihnen, eine Patientenverfügung zu verfassen, die Ihren Werten entspricht und an Ihre persönliche Situation angepasst ist.

Das Verfassen Ihrer Patientenverfügung ist ein Akt der Verantwortung und des Respekts gegenüber sich selbst und Ihren Angehörigen. Dieses Dokument ermöglicht es Ihnen, die Kontrolle über Ihre medizinische Betreuung am Lebensende zu behalten, auch wenn Sie sich nicht mehr äussern können. Patiententestament, Wahl der Behandlungen, Ernennung eines Vertretungsberechtigten: Jede Entscheidung zählt, um zu garantieren, dass Ihr Wille respektiert wird.

Nehmen Sie sich die Zeit, über Ihre Wünsche nachzudenken, diese mit Ihrem Arzt und Ihren Angehörigen zu besprechen und Ihre Patientenverfügung schriftlich zu formalisieren. Bewahren Sie sie an einem zugänglichen Ort auf und denken Sie daran, sie regelmässig zu überprüfen. Vergessen Sie nicht, dass die Patientenverfügung medizinische Entscheidungen betrifft, während Ihre Bestattungsverfügung Ihre Bestattung organisiert.

Dieser Schritt ist Teil einer umfassenderen vorausschauenden Planung, die Ihre Angehörigen von der Last schwieriger Entscheidungen entlastet. Vorausschauend zu planen bedeutet, denjenigen, die bleiben, Gelassenheit und Klarheit zu schenken.

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