Humusierung und menschliche Kompostierung in der Schweiz: Wo steht das Gesetz?

BlogBestattung und Trauer18. Januar 2026
Humusierung und menschliche Kompostierung in der Schweiz: Wo steht das Gesetz?

Einleitung

Die Umwandlung des Körpers in Kompost nach dem Tod: eine Idee, die überraschen mag, aber in der Schweiz an Boden gewinnt. Die Humusierung, auch menschliche Kompostierung genannt, zieht immer mehr Menschen an, die ihre ökologische Bilanz reduzieren möchten, selbst nach ihrem Tod.

Diese Praxis, die in einigen US-Bundesstaaten bereits legal ist, besteht darin, den Körper auf natürliche Weise in fruchtbare Erde zu verwandeln. Ein Prozess, der durch seine ökologische und symbolische Dimension besticht: der Erde zurückzugeben, was sie uns gegeben hat.

Doch wie steht es in der Schweiz? Der rechtliche Rahmen bleibt unklar und restriktiv. Zwischen kantonalen Verboten, politischen Vorstössen und ethischen Debatten befindet sich die Humusierung in der Schweiz in einer rechtlichen Grauzone. Währenddessen wächst die Nachfrage nach ökologischen Bestattungen stetig.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über den rechtlichen Status der Humusierung, die laufenden politischen Bemühungen und vor allem die bereits heute verfügbaren ökologischen Alternativen. Denn die Wahl einer umweltfreundlichen Bestattung sollte kein frommer Wunsch bleiben.

📌 Zusammenfassung (TL;DR)

Die Humusierung bleibt in der Schweiz generell verboten, trotz wachsendem Interesse und laufenden politischen Vorstössen. Diese Praxis der menschlichen Kompostierung unterscheidet sich von der natürlichen Erdbestattung durch ihren beschleunigten Prozess der Umwandlung des Körpers in fruchtbare Erde.

In Erwartung einer eventuellen Legalisierung existieren bereits mehrere ökologische Alternativen: biologisch abbaubare Särge, Friedwälder, Aquamation und Kremation mit geringen Emissionen. Es ist möglich, seinen Willen für die Zukunft durch testamentarische Verfügungen auszudrücken.

Was ist Humusierung?

Die Humusierung, auch menschliche Kompostierung genannt, ist ein Prozess der natürlichen Umwandlung des Körpers nach dem Tod. Das Prinzip ist einfach: Der Körper wird in einen Kokon gelegt, der mit organischen Materialien wie Holzspänen, Stroh und Mikroorganismen gefüllt ist.

In etwa 12 Monaten verwandelt sich der Körper in fruchtbaren Kompost, ohne Verbrennung oder chemische Produkte. Dieser beschleunigte Prozess reproduziert die natürliche Zersetzung, die in der Erde stattfindet, jedoch auf kontrollierte Weise.

Im Gegensatz zur traditionellen Erdbestattung, die den Körper in einem Sarg bewahrt, oder zur Kremation, die ihn verbrennt, fördert die Humusierung eine direkte Rückkehr zur Erde. Das Konzept entstand in Belgien und den USA, getragen von starken ökologischen Werten: natürlicher Kreislauf, geringer CO2-Fussabdruck, Respekt für die Umwelt.

Das Ergebnis? Etwa 500 Liter Kompost, die einen Baum nähren oder einen Gedenkgarten bereichern können.

Der rechtliche Rahmen in der Schweiz: ein komplexer Status

In der Schweiz ist die Humusierung derzeit nicht zugelassen. Die Bestattungsgesetzgebung liegt in der Zuständigkeit der Kantone, aber alle Kantone stützen sich auf ähnliche Grundsätze, die durch das Bundesgesetz über das Zivilstandswesen definiert sind.

Heute sind nur zwei Bestattungsarten gesetzlich anerkannt: die Erdbestattung und die Kremation. Die kantonalen Gesundheitsvorschriften regeln diese Praktiken streng, um die öffentliche Gesundheit und den Respekt vor den Verstorbenen zu gewährleisten.

Das Fehlen eines rechtlichen Rahmens für die Humusierung bedeutet, dass kein Unternehmen diese Dienstleistung in der Schweiz anbieten kann, selbst wenn die Nachfrage besteht. Interessierte Familien müssen sich an die derzeit verfügbaren legalen Alternativen wenden.

Diese Situation könnte sich ändern, denn das Schweizer Bestattungsrecht passt sich schrittweise an neue gesellschaftliche und ökologische Erwartungen an.

Die laufenden politischen Vorstösse

Mehrere Westschweizer Kantone prüfen die Möglichkeit, die Humusierung zu legalisieren. Der Kanton Waadt nimmt eine Vorreiterrolle ein mit Motionen, die im Grossen Rat eingereicht wurden, um die Integration dieser Praxis in den kantonalen Rechtsrahmen zu untersuchen.

Auch Genf und Neuenburg haben parlamentarische Diskussionen zu diesem Thema erlebt, getragen von Abgeordneten, die für ökologische Fragen sensibilisiert sind. Diese Initiativen befinden sich noch in einem frühen Stadium, zeugen aber von einem wachsenden politischen Interesse.

Die von den Befürwortern vorgebrachten Argumente sind klar: Respekt für die Umwelt, Wahlfreiheit bei der Bestattung und Modernisierung eines als veraltet betrachteten Rechtsrahmens. Einige Parlamentarier betonen, dass sich die Schweiz an gesellschaftliche Entwicklungen anpassen muss.

Die parlamentarischen Debatten brauchen Zeit. Zwischen Einreichung der Motion, Machbarkeitsstudien zur Gesundheit und Abstimmungen können mehrere Jahre vergehen, bevor eine eventuelle Legalisierung erfolgt.

Warum dieses wachsende Interesse?

Die Nachfrage nach Humusierung in der Schweiz spiegelt ein wachsendes ökologisches Bewusstsein wider. Angesichts des Klimawandels versuchen viele Menschen, ihren CO2-Fussabdruck zu reduzieren, selbst nach ihrem Tod.

Die Zahlen sprechen für sich: Eine Kremation verursacht zwischen 160 und 250 kg CO2, hauptsächlich aufgrund der Verbrennung bei hoher Temperatur. Die Humusierung hingegen ist praktisch CO2-neutral und erzeugt keine atmosphärischen Emissionen.

Über die Ökologie hinaus entspricht diese Praxis einem Bedürfnis nach Sinn. Viele sehen darin eine authentische Rückkehr zur Natur, einen vollständigen Lebenszyklus, bei dem der Körper die Erde nährt, anstatt sie zu verschmutzen.

Die Mentalitäten entwickeln sich: Traditionelle Bestattungsrituale entsprechen nicht immer den Werten der neuen Generationen. Der Einfluss der Ökologie auf die Bestattungspraktiken verändert die Branche tiefgreifend.

Humusierung vs. natürliche Erdbestattung: Was ist der Unterschied?

Diese beiden Begriffe werden oft verwechselt, bezeichnen aber sehr unterschiedliche Praktiken. Die natürliche Erdbestattung besteht darin, den Körper in einem biologisch abbaubaren Sarg (oder ohne Sarg, je nach Kanton) in dafür vorgesehenen Bereichen wie Friedwäldern zu beerdigen.

Diese Praxis ist in der Schweiz legal. Der Körper wird intakt begraben und zersetzt sich auf natürliche Weise im Boden, ohne aktive Umwandlung. Der Prozess dauert mehrere Jahre.

Die Humusierung hingegen ist nicht legal. Sie beinhaltet eine aktive und beschleunigte Umwandlung des Körpers in Kompost durch Mikroorganismen und organische Materialien. Das Ergebnis ist ein verwendbarer Humus in 12 Monaten.

Friedwälder und natürliche Wiesen gibt es bereits in der Deutsch- und Westschweiz. Sie bieten eine ökologische Alternative, die bereits heute zugänglich ist. Weitere Informationen finden Sie in unserem Leitfaden zur ökologischen Bestattung.

Die Aquamation: eine legale und ökologische Alternative

Die Aquamation oder alkalische Hydrolyse ist eine ökologische Alternative zur Kremation, die in der Schweiz an Boden gewinnt. Der Prozess verwendet heisses Wasser und eine alkalische Lösung, um den Körper ohne Verbrennung aufzulösen.

Diese Methode verursacht 90% weniger CO2 als eine traditionelle Kremation und erzeugt keinen Rauch. Das Ergebnis ist ähnlich: weisse und sterile Asche, die die Familie zurückerhalten kann.

In der Schweiz ist die Aquamation in mehreren Kantonen zugelassen, insbesondere in der Deutschschweiz. Einige Krematorien bieten diese Dienstleistung bereits an, obwohl das Angebot begrenzt bleibt.

Die Kosten sind vergleichbar mit einer klassischen Kremation, manchmal etwas höher. Wie die Humusierung entspricht die Aquamation einem ökologischen Willen, jedoch mit einem bereits etablierten rechtlichen Rahmen. Sie ist daher eine konkrete Option für umweltbewusste Familien.

Die heute legalen ökologischen Alternativen

In Erwartung einer eventuellen Legalisierung der Humusierung in der Schweiz sind bereits mehrere ökologische Optionen verfügbar. Diese Alternativen ermöglichen es, die Umweltauswirkungen von Bestattungen erheblich zu reduzieren und gleichzeitig den aktuellen rechtlichen Rahmen zu respektieren.

Jede Familie kann die Lösung wählen, die am besten ihren Werten und denen des Verstorbenen entspricht. Einige Optionen lassen sich kombinieren: ein biologisch abbaubarer Sarg für eine Bestattung im Friedwald, zum Beispiel.

Bestattungsunternehmen bieten diese Alternativen zunehmend an. Es genügt, die Frage zu stellen und seine ökologischen Prioritäten klar auszudrücken. Transparenz über Materialien und Prozesse ist wesentlich.

Hier ist ein Überblick über die wichtigsten Lösungen, die ab sofort in der Schweiz verfügbar sind.

Biologisch abbaubare Särge und Urnen

Biologisch abbaubare Särge werden aus natürlichen Materialien hergestellt: dicke Pappe, geflochtene Weide, unbehandeltes Rohholz. Sie zersetzen sich vollständig im Boden, ohne giftige Substanzen freizusetzen.

Für die Kremation gibt es biologisch abbaubare Urnen aus Salz, Ton, recyceltem Papier oder Maisstärke. Einige sind so konzipiert, dass sie sich im Wasser auflösen, ideal für eine Verstreuung in einem See oder Fluss.

Diese Optionen sind in der Schweiz weit verbreitet und ihre Kosten sind oft niedriger als bei traditionellen lackierten Särgen. Die Umweltauswirkungen sind erheblich reduziert: keine Schwermetalle, keine chemischen Lacke, schnelle Zersetzung.

Viele Bestattungsunternehmen bieten diese Alternativen mittlerweile in ihrem Standardkatalog an. Zögern Sie nicht, sie ausdrücklich zu verlangen.

Friedwälder und natürliche Wiesen

Friedwälder ermöglichen es, die Asche am Fuss eines Baumes in einem geschützten Naturraum zu verstreuen oder zu begraben. Mehrere Standorte existieren in der Deutsch- und Westschweiz, verwaltet von Stiftungen oder Gemeinden.

Natürliche Wiesen bieten eine ähnliche Alternative für die Erdbestattung mit biologisch abbaubaren Särgen. Diese Bereiche werden ökologisch gepflegt, ohne Pestizide oder chemische Düngemittel.

Jeder Kanton hat seine eigenen Regeln bezüglich dieser Praktiken. Einige erlauben die freie Verstreuung der Asche in der Natur, andere verlangen dafür vorgesehene Bereiche. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Gemeinde.

Die symbolische Dimension ist stark: Der Baum oder die Wiese werden zu einem lebendigen Erinnerungsort. Um eine Bestattung in diesem Sinne zu organisieren, konsultieren Sie unseren Leitfaden zur Vorbereitung einer ökologischen Bestattung.

Kremation mit geringen Emissionen

Die Kremationstechnologien entwickeln sich weiter. Einige Schweizer Krematorien investieren in moderne Anlagen, die die Schadstoffemissionen durch leistungsstarke Filter und besseres Temperaturmanagement reduzieren.

Wärmerückgewinnungssysteme ermöglichen es, die erzeugte Energie zur Beheizung anderer Gebäude wiederzuverwenden. Dieser Ansatz reduziert den gesamten CO2-Fussabdruck der Kremation.

Nicht alle Krematorien sind in Bezug auf die Umwelt gleichwertig. Einige veröffentlichen ihre Emissionsdaten, andere nicht. Zögern Sie nicht, präzise Fragen zu den verwendeten Anlagen und ökologischen Zertifizierungen zu stellen.

Die Wahl eines Krematoriums, das transparent über seine Umweltpraktiken informiert, ist eine konkrete Massnahme zur Begrenzung der ökologischen Auswirkungen, auch wenn die Kremation umweltschädlicher bleibt als die Aquamation oder die natürliche Erdbestattung.

Wie kann man seinen Willen für die Zukunft ausdrücken?

Wenn Sie sich für die Humusierung interessieren, können Sie diesen Wunsch bereits jetzt in Ihren testamentarischen Verfügungen ausdrücken. Auch wenn die Praxis heute nicht legal ist, hilft die Dokumentation Ihrer Werte Ihren Angehörigen, Ihr Andenken gemäss Ihren Überzeugungen zu ehren.

Verfassen Sie ein klares Dokument, in dem Sie Ihr Interesse an der Humusierung erwähnen und als Alternative die legalen ökologischen Optionen, die Ihnen zusagen: Aquamation, natürliche Erdbestattung, Friedwald.

Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen. Erklären Sie ihnen, warum Ihnen die Ökologie wichtig ist, selbst nach dem Tod. Dieses Gespräch wird die Entscheidungen zum gegebenen Zeitpunkt erleichtern.

Verfolgen Sie die kantonalen Gesetzesänderungen. Abonnieren Sie Newsletter von Umweltverbänden oder konsultieren Sie regelmässig Informationsseiten zum Schweizer Bestattungsrecht. Auf Wolky können Sie auch eine Gedenkseite erstellen, um Ihren Willen mitzuteilen und Ihre Werte mit Ihrem Umfeld zu teilen.

Zukunftsperspektiven in der Schweiz

Der internationale Trend spricht für die Humusierung. In den USA haben mehrere Bundesstaaten sie legalisiert: Washington (2019), Colorado (2021), Oregon, Vermont, Kalifornien. Belgien bleibt Vorreiter in Europa mit laufenden Pilotprojekten.

In der Schweiz wächst der Druck von Bürgern und Umweltschützern. Die politischen Vorstösse mehren sich, ein Zeichen dafür, dass die Debatte an Boden gewinnt. Aber Hindernisse bleiben: gesundheitliche Fragen (Kontrolle von Krankheitserregern), kulturelle und religiöse Widerstände.

Ein realistischer Zeitplan? Die fortschrittlichsten Kantone könnten die Humusierung bis 2025-2030 legalisieren, wenn die Machbarkeitsstudien schlüssig sind. Andere werden wahrscheinlich folgen, wie es bei der Kremation im 20. Jahrhundert der Fall war.

Wichtig ist, eine informierte demokratische Debatte aufrechtzuerhalten. Je mehr die Öffentlichkeit die ökologischen und gesundheitlichen Fragen versteht, desto mehr können politische Entscheidungen die tatsächlichen Bestrebungen der Schweizer Bevölkerung widerspiegeln.

Die Humusierung stellt eine vielversprechende ökologische Bestattungsalternative dar, bleibt aber in der Schweiz bis heute verboten. Trotz mehrerer politischer Vorstösse und eines wachsenden Interesses an umweltfreundlichen Praktiken hat sich der rechtliche Rahmen noch nicht entwickelt. Familien, die eine nachhaltige Bestattung wünschen, können sich jedoch an legale Lösungen wie die Aquamation, biologisch abbaubare Särge, Friedwälder oder die Kremation mit geringen Emissionen wenden.

Die Frage der Humusierung veranschaulicht allgemeiner die Transformation der Bestattungspraktiken angesichts der Umweltherausforderungen. Weitere Informationen zu diesen Entwicklungen finden Sie in unserem Artikel über den Einfluss der Ökologie auf moderne Bestattungspraktiken.

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